Ratgeber

Sicherheit im Hochseilgarten: Sicherungssysteme, DIN EN 15567, Einweisung

Welche Sicherungssysteme es gibt, was die Norm DIN EN 15567 regelt, wie eine gute Einweisung aussieht und woran Sie eine seriös geführte Anlage erkennen.

Die meisten Menschen stellen sich vor dem ersten Kletterwaldbesuch dieselbe Frage: Ist das wirklich sicher? Die ehrliche Antwort lautet: Ein gut gebauter und gut geführter Hochseilgarten ist eine sehr kontrollierte Umgebung, aber kein risikofreier Raum. Sicherheit entsteht aus drei Bausteinen, die zusammenpassen müssen: der Anlage selbst, dem Betrieb durch geschultes Personal und dem Verhalten der Besucher.

Baustein 1: Die Anlage und die Norm DIN EN 15567

Für Seilgärten gibt es eine europäische Norm, die in Deutschland als DIN EN 15567 veröffentlicht ist. Sie besteht aus zwei Teilen:

  • Teil 1: Konstruktion und Sicherheitsanforderungen. Er betrifft Planung, Bau, Prüfung und Wartung der Anlage und ihrer Bestandteile, also etwa Tragkonstruktion, Plattformen, Elemente und Sicherungssystem.
  • Teil 2: Betriebsanforderungen. Er regelt, wie eine Anlage betrieben wird: Qualifikation und Anzahl des Personals, Einweisung der Besucher, Rettungskonzept, Dokumentation und tägliche Kontrollen.

Eine Norm ist kein Gesetz. Sie beschreibt aber den anerkannten Stand der Technik, an dem sich Betreiber, Prüfer und im Streitfall auch Gerichte orientieren. Zur Norm gehören regelmäßige Inspektionen durch fachkundige Prüfer sowie Sichtkontrollen vor dem Öffnen. Seriöse Betreiber geben auf Nachfrage Auskunft, wann die Anlage zuletzt geprüft wurde.

Für Kinderspielplätze gilt übrigens eine andere Norm. Niedrige Kinderparcours können je nach Bauart unter Spielplatzregeln fallen, alles darüber unter die Seilgartennorm.

Baustein 2: Sicherungssysteme im Überblick

Die Sicherung ist das, was Sie im Hochseilgarten am direktesten spüren. Drei Prinzipien sind verbreitet:

System So funktioniert es Typisch für Vorteil Worauf achten
Zwei einfache Karabiner Sie hängen beide Karabiner selbst um, immer einen nach dem anderen ältere Kletterwälder einfach, robust Fehlbedienung möglich, wenn beide offen sind
Gekoppelte Karabiner (Smart Belay) die Karabiner kommunizieren, einer lässt sich nur öffnen, wenn der andere am Seil hängt viele moderne Kletterwälder Aushängen unterwegs praktisch ausgeschlossen Einweisung trotzdem genau befolgen
Durchlaufende Sicherung eine Rolle oder ein Läufer bleibt auf einer Schiene oder einem Seil, vom Start bis zum Ziel Parks mit vielen Kindern und Gruppen kein Umhängen nötig Aushängen nur an der Ausstiegsstation
Sicherung durch Trainer Seil von oben, Trainer sichert vom Boden pädagogische Hochseilgärten volle Kontrolle durch Fachpersonal Konzentration der Sichernden ist entscheidend

Bei allen Systemen gilt: Das Material ist nur so gut wie seine Pflege. Gurte, Karabiner, Seile und Rollen werden regelmäßig geprüft und nach festen Fristen ausgetauscht. Als Besucher sehen Sie davon wenig, können aber auf sichtbare Mängel achten, etwa ausgefranste Gurte oder schwergängige Karabiner, und diese sofort melden.

Baustein 3: Einweisung und Verhalten

Die meisten Zwischenfälle im Kletterwald entstehen nicht durch Materialversagen, sondern durch Unachtsamkeit. Deshalb ist die Einweisung Pflicht, und deshalb wiederholen gute Trainer die Regeln lieber einmal zu oft.

Immer eingehängt

Ab der ersten Plattform bleibt mindestens ein Sicherungspunkt am Sicherungsseil, bei einfachen Karabinersystemen immer beide, außer beim Umhängen.

Eine Person pro Element

Auf Brücken und Balken klettert nur eine Person. Auf Plattformen gilt die angegebene Höchstzahl.

Nichts Lockeres

Schmuck, Schals, offene lange Haare und volle Hosentaschen sind im Parcours ein Risiko für Sie und für Menschen darunter.

Gesund und nüchtern

Kein Alkohol vor oder während des Kletterns. Bei Schwindel, Kreislaufproblemen oder Unwohlsein abbrechen und Personal rufen.

Ein weiterer Punkt wird oft vergessen: der Weg nach unten. Abseilstellen, Seilrutschen und Leitern sind Stellen, an denen sich Besucher häufiger verletzen, etwa durch harte Landungen oder umgeknickte Füße. Landen Sie mit leicht gebeugten Knien und folgen Sie den Hinweisen zur Landezone.

Woran Sie eine gut geführte Anlage erkennen

Checkliste für Ihren Besuch

  • Es gibt eine ausführliche Einweisung mit Übungsparcours in Bodennähe, nicht nur ein Video.
  • Personal ist sichtbar im Gelände unterwegs und ansprechbar.
  • Die Ausrüstung wird angelegt oder kontrolliert, bevor Sie losklettern.
  • Regeln zu Alter, Größe, Gewicht und Begleitung sind klar formuliert und werden eingehalten.
  • Bei Gewitter oder Sturm wird geschlossen und der Park geräumt.
  • Auf Fragen nach Prüfung und Rettungskonzept gibt es sachliche Antworten.

Besondere Situationen

Kinder brauchen besondere Aufmerksamkeit, weil sie die Regeln schneller vergessen und je nach Größe die Sicherung nicht selbst erreichen. Viele Parks setzen deshalb Mindestgrößen und eine Begleitung durch Erwachsene voraus. Mehr dazu unter Kletterwald mit Kindern.

Gewicht: Gurte und Sicherungssysteme sind für bestimmte Lasten ausgelegt. Viele Parks nennen deshalb ein Höchstgewicht. Wer darüber liegt, sollte vorher nachfragen statt vor Ort enttäuscht zu werden.

Schwangerschaft, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, frische Operationen: Hier raten Betreiber meist ab oder verlangen eine ärztliche Freigabe. Klären Sie das vorab, die Teilnahmebedingungen enthalten dazu in der Regel eine eigene Erklärung.

Brille und Hörgeräte sind meist kein Problem, sollten aber gut sitzen oder mit einem Band gesichert sein. Was Sie sonst anziehen und mitnehmen sollten, steht unter Kleidung und Ausrüstung.

Was im Notfall passiert

Gut geführte Anlagen haben ein Rettungskonzept, das für jede Stelle des Parcours festlegt, wie eine Person geborgen wird. Das Personal ist darin geschult, die Rettungsausrüstung liegt griffbereit. Für Sie heißt das: Wenn Sie nicht weiterkommen, bleiben Sie gesichert, rufen Sie laut und warten Sie. Panik oder eigenmächtiges Aushängen machen eine Situation erst gefährlich.

Wer einen Besuch mit einer Gruppe plant, fragt am besten vorab nach Betreuungsschlüssel und Ablauf. Hinweise für Schulen stehen unter Klassenfahrt und Schulausflug, für Firmen unter Teamtraining im Wald.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Kann man sich im Kletterwald versehentlich aushängen?
Bei klassischen Systemen mit zwei unabhängigen Karabinern war das möglich, wenn beide gleichzeitig geöffnet wurden. Viele Parks setzen deshalb heute auf Systeme, bei denen sich die Karabiner gegenseitig sperren, oder auf eine durchlaufende Sicherung, die erst am Ende eines Parcours gelöst werden kann.
Was regelt die DIN EN 15567?
Die Norm besteht aus zwei Teilen. Teil 1 legt Sicherheitsanforderungen an Planung, Bau, Prüfung und Wartung von Seilgärten fest, Teil 2 die Anforderungen an den Betrieb, etwa an Personal, Einweisung und Rettung. Sie ist eine Norm, kein Gesetz, gilt aber als anerkannter Stand der Technik.
Muss ich im Kletterwald einen Helm tragen?
Das entscheidet der Betreiber. Manche Parks schreiben einen Helm für alle vor, andere nur für Kinder oder bestimmte Elemente. Wenn ein Helm angeboten wird, ist es sinnvoll, ihn zu tragen.
Was passiert, wenn ich im Parcours nicht weiterkomme?
Bleiben Sie gesichert stehen und rufen Sie das Personal. Gut geführte Anlagen haben einen Rettungsplan und Ausrüstung, um Besucher von jeder Stelle des Parcours zu holen. Hängen Sie sich auf keinen Fall eigenmächtig aus.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion forestjump.de. Angaben ohne Gewähr: Maßgeblich sind die Regeln und die Sicherheitseinweisung des jeweiligen Parks.